Beim 18. Excellence-Austausch-Treffen trafen wir uns in der Modellfabrik Koblenz zum Thema „Warteschlangentherorie“.

In einem ganz tollen Vortrag zeigte uns dabei Dr. Axel Kaselow von der RHI Urmitz AG die Grundlagen zur Anwendung von Mathematik und Physik in der Excellence-/Lean-Transformation auf.

Auf sehr beeindruckende und auch leicht verständliche Art und Weise führte uns Dr. Axel Kaselow in knapp 45 Minuten mit einfachen Flipchart-Skizzen vom Einstieg über die Grundgleichung der Mechanik (F=m • a ) weiter über das Gesetz von Little (Littles Law) bis hin zur Kingman Approximation.

Er starte mit der Frage: „Warum klappt es nicht, dass wir mit Lean bessere Ergebnisse erzielen?“

Vor dieser Frage stehen viele Unternehmen, die sehr viele Aktivitäten zur Nutzung von Lean-Tools wie 5S, zur Visualisierung, zur Markierung von Wegen und Stellplätzen etc. bereits hinter sich haben.

Eine Antwort gibt uns hier die Anwendung der Warteschlangentheorie. Sie zeigt auf, wo in der Optimierung eines Prozesses angesetzt werden muss. Und sie zeigt es vor allem ganz einfach logisch nachvollziehbar und nachrechenbar auf.

Dr. Kaselow nutzte in seinem 2. Flipchart den Vergleich zur Grundgleichung der Mechanik. Genauso sicher, wie der Apfel vom Baum nach unten fällt, genauso sicher gilt Little’s Law und die Kingman Approximation zur Warteschlangentheorie.

Von diesem Flipchart ausgehend zeigte Dr. Kaselow dann die Herleitung der Kingman Approximation auf. Diese Herleitung ist auf der einen Seite nicht ganz einfach, auf der anderen Seite aber auch absolut nachvollziehbar. Unten habe ich in diesen Rückblick 3 Videos von Prof. Dr. Helber eingefügt. Hier können Sie sich die Herleitung von einem Wissenschaftler ansehen.

Das zentral wichtige Flipchart war die Darstellung der Kingman Approximation und vor allem die grafische Darstellung der Durchlaufzeit über der Auslastung.
Dr. Kaselow stützte sich in seinem Vortrag auf den unter FactoryPhysics® besonders im englischsprachigen Raum bekannten Ansatz. Im deutschsprachigen Raum nutzt u.a. Prof. Dr. Stefan Helber (Direktor des Instituts für Produktionswirtschaft der Leibnitz Universität Hannover) mit seinem Buch „Operations Management Tutorial“ ebenso die Kingman Approximation.

Verstehen muss man hier vor allem, dass in die Durchlaufzeit die Variabilität des Prozesses eingeht. Diese errechnet sich aus den Variationskoeffizienten der Ankunftsrate von Aufträgen und der Prozesszeit. In diese geht die jeweils die Standardabweichung als Maß für die Streuung ein.

Dr. Kaselow zeigte zum Abschluss und als Ziel seines Vortrages die Stellschrauben zur Beeinflussung der Durchlaufzeit auf.
Der Variationskoeffizient für die Ankunftsrate kann durch Glättung und Nivellierung der Aufträge, also durch Heijunka, beeinflusst werden. Der Variationskoeffizient der Prozesszeiten kann vor allem durch Standardisierung der Prozesse verbessert werden.

Anders ausgedrückt, Heijunka und Standardisierung sollten bei der Excellence-/Lean-Transformation ganz am Anfang stehen, sobald mit der Optimierung der Prozesse begonnen wird.

Nicht umsonst werden wird Heijunka und Standardisierung auf den bekannten Schaubildern zum TPS von Toyota selbst bzw. z.B. von Liker im Fundament des TPS-Hauses gezeigt.

Gerade zum Verständnis dieser Positionierung von Heijunka und Standardisierung in einem an Excellence ausgerichteten Gesamtsystem war der Vortrag von Dr. Axel Kaselow ganz hervorragend geeignet.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich für den Vortrag bedanken. Besten dank auch an die Modellfabrik Koblenz, die ihre Räume zur Verfügung stellte.

Ergänzung: Videos zum Buch „Operations Management Tutorial“

Video „Operations Management Tutorial“: Auslastung und Wartezeiten in Bediensystemen
Video „Operations Management Tutorial“: Variabilität in Bediensystemen
Video zum „Operations Management Tutorial“: Wartezeitapproximation nach Kingman
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